Aufbau des Tatbestandes bei einer Widerklage

Die Widerklage ist zunächst zu ihrem besseren Verständnis zur Aufrechnung und zum Zurückbehaltungsrecht abzugrenzen.

Eine Normierung hat die Widerklage in § 33 ZPO gefunden, dessen Verständnis höchst streitig ist. Sie charakterisiert sich dardurch, daß der Beklagte seinerseits gegen den Kläger eine Klage erhebt, die sog. Widerklage. Häufig hängt die vom Beklagten erhobene Wiederklage in tatsächlicher Hinsicht recht eng mit dem Streitstoff der Klage zusammen. Dies muß aber nicht der Fall sein. Aus dieser Eigentümlichkeit folgen zwei unterschiedliche Aufbaumöglichkeiten. Die Erste ist zu bevorzugen, wenn zwischen Klage und Widerklage in tatsächlicher Hinsicht viele Gemeinsamkeiten bestehen. Ist dies nicht der Fall, ist die Zweite zu bevorzugen.

Eine Besonderheit stellt die Drittwiderklage dar. Bei ihr verschmelzen die Streitgenossenschaft und die Widerklage miteinander. In diesem Falle sind die beiden Aufbauvarianten an die Besonderheiten der Drittwiderklage anzupassen.

Im einzelnen:


Erste Aufbaumöglichkeit bei einer Widerklage:

Diese Möglichkeit charakterisiert sich dadurch, daß die Anträge des Klägers zur Klage und zur Widerklage vor bzw. nach den Anträgen des Beklagten dargestellt werden und eine Replik des Klägers zur Widerklage in den sonst üblichen Aufbau eingeschoben wird.

  1. Einleitungssatz.: in der Regel empfiehlt es sich, schon hier auf den Gegenstand der Widerklage hinzuweisen.
  2. unstreitiges Parteivorbringen zur Klage und zur Widerklage
  3. Streitiges Klägervorbringen zur Klage
  4. Anträge
  5. Streitiges Beklagtenvorbringen
  6. Streitiges Klägervorbringen zur Widerklage
  7. Prozeßgeschichte z.B. Beweisaufnahme

Anmerkung: In der Literatur und den Lehrbüchern wird diese Aufbauvariante teilweise etwas abgewandelt dargestellt. So schlägt Oberheim vor, die Darstellung der Anträge auseinanderzuziehen und den Antrag des Klägers zur Widerklage erst nach dem streitigen Beklagtenvorbringen zur Widerklage zu erwähnen. Diese Splittung der Anträge wird deren Bedeutung jedoch nicht gerecht, was der Notwendigkeit der Hervorhebung gem. § 313 II ZPO entgegenläuft.


Zweite Aufbaumöglichkeit bei einer Widerklage:

Diese Möglichkeit charakterisiert sich dadurch, daß eine Trennung der Tatbestände zu Klage und Widerklage erfolgt. Im einzelnen:

  1. Einleitungssatz: In der Regel empfiehlt es sich, schon hier auf den Gegenstand der Widerklage hinzuweisen.
  2. Klage
  3. Widerklage
  4. Prozeßgeschichte z.B. Beweisaufnahme. Soweit die Prozeßgeschichte nur die Klage oder die Widerklage betrifft, kann deren Darstellung auch im Bereich zur Klage oder zur Widerklage an jeweils letzter Stelle erfolgen.

Tatbestandaufbau bei der Drittwiderklage:

Hier sind die beiden vorgenannten Möglichkeiten den Besonderheiten der Drittwiderklage anzupassen. Wie bei der normalen Widerklage empfiehlt sich die erste Aufbaumöglichkeit, wenn die Drittwiderklage im wesentlichen auf demselben Streitstoff beruht, wie die Klage. Ist dies nicht der Fall empfiehlt sich die zweite Aufbaumöglichkeit.

Im einzelnen:


Erster Tatbestandsaufbau bei einer Drittwiderklage:

  1. Einleitungssatz: In der Regel empfiehlt es sich, schon hier auf den Gegenstand der Drittwiderklage hinzuweisen.
  2. unstreitiges Parteivorbringen zur Klage und zur Drittwiderklage
  3. Streitiges Klägervorbringen zur Klage
  4. Anträge
  5. Streitiges Beklagtenvorbringen zur Klage
  6. Streitiges Drittwiderklägervorbringen zur Drittwiderklage
  7. Streitiges Klägervorbringen zur Drittwiderklage
  8. Prozeßgeschichte z.B. Beweisaufnahme

Zweiter Tatbestandsaufbau bei einer Drittwiderklage:

  1. Einleitungssatz: In der Regel empfiehlt es sich, schon hier auf den Gegenstand der Drittwiderklage hinzuweisen.
  2. Klage
  3. Drittwiderklage
  4. Prozeßgeschichte z.B. Beweisaufnahme. Soweit die Prozeßgeschichte nur die Klage oder die Drittwiderklage betrifft, kann deren Darstellung auch im Bereich zur Klage oder zur Drittwiderklage an jeweils letzter Stelle erfolgen.


Weitere Verweise:

Normale Konstellation beim Tatbestandsaufbau:
Aufbau des Gutachtens bei einer Widerklage: